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Anforderungen

Expertentipp von Dr. Hans-Georg Kny,
Siemens Professional Education, München


Welche fachlichen Erwartungen hat die Wirtschaft an Schulabsolventinnen und Schulabsolventen?


Unternehmen legen Wert auf eine gute Allgemeinbildung; eng verzahnt sind damit Kenntnisse aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Soziales. Als rohstoffarme Nation und als Land mit überdurchschnittlich hohen Arbeitskosten hängen Arbeitsplätze besonders von innovativen und pfiffigen Produkten und Dienstleistungen ab. Diese müssen entwickelt und schließlich an den Kunden gebracht werden.

Genau an dieser wichtigen Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kundinnen und Kunden spielt das Allgemeinwissen eine überragende Bedeutung. Sie sollten z. B. wissen, was Personalzusatzkosten sind, den Unterschied zwischen Regierung und Opposition kennen oder den Sinn des Generationenvertrages kurz erläutern können.

Um ein Produkt bzw. eine Dienstleistung zu verkaufen, bedarf es (zusätzlich zum fachlichen Wissen und zu gewissen Rhetorik-Kenntnissen) der Beherrschung des "Small-Talk" mit korrekten Inhalten aus Politik, Wirtschaft und Zeitgeschehen. Drei kleine Beispiele: Ludwig Erhard war kein Nationalspieler beim FC Bayern München, Henry Ford kein begnadeter Schauspieler in französischen Liebesfilmen, und Herbert Grönemeyer sitzt (noch) nicht im Deutschen Bundestag. Als kundenorientierter Mitarbeiter/kundenorientierte Mitarbeiterin müssen Sie auf diesen Gebieten "sattelfest" sein. Sie können dabei nicht alles wissen, sollten aber zumindest über ausbaufähige Grundkenntnisse verfügen und daran Interesse haben, um im Kundengespräch für sich und damit für Ihr Unternehmen einen guten Eindruck zu hinterlassen - das gilt besonders beim Kunden, aber auch im allgemeinen bei Lieferanten und weiteren Gesprächspartnern.

Gute Deutschkenntnisse sind gefragt, zum einen gute Rechtschreibkenntnisse (1), zum anderen ein gewisser eingeübter Schreibstil (2). Ihr künftiger Arbeitgeber muss sicher sein, dass Sie diese Fähigkeiten besitzen.

(1) Warum gute Rechtschreibkenntnisse? Oft müssen Sie - unabhängig von Ihrem gewählten Beruf - auf einem Flipchart die Diskussionsergebnisse notieren oder am Laptop einige Worte schreiben, die über den Beamer sofort für die Anwesenden lesbar sind. Seien Sie sich sicher: Hier kommt Schadenfreude auf, wenn Sie hier nicht orthographisch sicher sind. Neulich schrieb ein Kollege das Wort "Coach" als "Couch", ein anderer schrieb "depressiv" mit zwei "p". In beiden Fällen: Ein leichtes Grinsen der Anwesenden. Diese negative Einschätzung geht zu Lasten Ihrer Person und schließlich zum Nachteil des Unternehmens, dem Sie angehören.

(2) Warum der gewisse eingeübte Schreibstil? Sie müssen, egal welchen Beruf Sie wählen, in der Regel mal Protokolle, Berichte, Angebote oder Ähnliches schreiben. Hier kommt es auf einen einigermaßen fließenden Schreibstil ebenso an wie auf logische Gliederungen und Folgerungen.

Auch auf umfangreiche Englischkenntnisse legen die Betriebe wert. Siemens (z. B.) erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2005 rund 80 % seines Umsatzes außerhalb Deutschlands; über 60 % der Siemensianer arbeiten im Ausland. Ohne die Weltsprache Englisch ist ein Arbeiten in Großunternehmen nicht denkbar. International besetzte Projekte, Besprechungen in Englisch, der direkte Arbeitsaufenthalt im Ausland oder nur das Verschicken von Mails: Überall steht die englische Sprache auf der Tagesordnung. Oder denken Sie an das Lesen sog. Beipackzettel oder Gebrauchsanweisungen: Auch hier sind viele ausschließlich in Englisch gehalten. Viele Sätze - kurzer Sinn: Englischkenntnisse sind unabdingbar, mit Sicherheit auch in der mittelständischen Wirtschaft und teilweise ebenso in Kleinbetrieben.

Sichere Kenntnisse und Problemlösungsstrategien in Mathematik und Physik spielen ebenso eine wichtige Rolle, natürlich immer in Abhängigkeit des gewählten Berufes. Ein Kaufmann mit Schwerpunkt Rechnungswesen muss unabdingbar über gewisse Mathe- und Statistik-Kenntnisse verfügen; der Elektriker braucht eher Physikwissen oder ein Bachelor of Engineering braucht beides.

Wir erwarten ebenso PC-Kenntnisse. Hier ist ausschließlich die Rede von sicheren Grundkenntnissen in Hard- und Software, von der Fähigkeit, im Internet zu surfen und sich dort selbstständig wichtige Informationen zu einem Thema zusammenzustellen. Es geht also im Wesentlichen um die Anwendung des Office-Paketes. Vertiefende Kenntnisse werden Sie sich dann in der Ausbildung zulegen. Und ein Letztes: Weiter sollen die Schulabsolventinnen und Schulabsolventen sich rechtzeitig und ausführlich Gedanken über ihren künftigen Beruf gemacht haben. Dieser soll weder ein Zufallsprodukt noch eine Notlösung sein. Wir erwarten schließlich im Beruf bei uns Ihr volles Engagement.

Mein Tipp:

Sie kennen nun die fachlichen Erwartungen, die wir an Sie stellen. Versuchen Sie, Ihre Schulaktivitäten und -leistungen auf diese hin abzugleichen.


Dr. Hans-Georg Kny

Siemens Professional Education
München


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