Weitere Maßnahmen
Erläuterung von Beispielen für Einzelmaßnahmen
Der Leitfaden „Beispiele für Einzelmaßnahmen zur Beruflichen Orientierung“ zeigt, nach verschiedenen Gruppen zusammengefasst, eine Reihe von Beispielen auf, wie sie an Realschulen angeboten werden. Im Folgenden soll für eine Vielzahl dort genannten Beispielen für Einzelmaßnahmen eine alphabetisch gegliederte kurze Beschreibung gegeben werden.
Berufsberater/-in im Unterricht
Der Berufsberater bzw. die Berufsberaterin der Arbeitsagentur kommt zu bestimmten Terminen für die 9. und 10. Klassen an die Schule und führt mit den Schülern, die einen Beratungsbedarf haben, Einzelgespräche. Das Beratungsangebot dient dazu, unentschlossenen, ziellosen Schülern für sie geeignete Ausbildungsberufe aufzuzeigen oder konkrete Fragen bezüglich ihrer Berufswünsche zu beantworten.
Berufsinformationen für Schüler und Eltern
An einem Berufsinformationstag oder Berufsinformationsabend können sich die Schüler der 9. Klasse mit ihren Eltern über verschiedene Ausbildungsberufe informieren.
Der Ablauf kann folgendermaßen gestaltet sein:
1. Information über die Schulart Fachoberschule / Berufsoberschule durch einen Lehrer von der FOS/BOS
2. Überblick über die aktuelle Ausbildungssituation durch die Berufsberaterin
3. Vorstellen der Referenten im Forum, so dass die Schüler/-innen und Eltern entscheiden können, mit welchen Berufsbildern sie sich im vierten Teil der Veranstaltung befassen möchten
4. Vorträge der Referenten über die Berufsbilder in getrennten Klassenzimmern. Der betreffende Beruf wird in drei Durchgängen von je 40 Minuten näher erläutert. Dabei haben die Schüler/-innen und Eltern auch Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Berufsinformationsecke („Schwarzes Brett“)
Das „Schwarze Brett“ ist für die Schüler eine wichtige Informationsquelle an der Schule: Dort werden Praktikums- und Ausbildungsstellenangebote von den Firmen – meist aus dem Einzugsbereich der Schule – veröffentlicht.
Berufsinformationsmessen
So genannte Berufsorientierungsmessen, wie z. B. „Berufsfit“, die vom Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT veranstaltet wird, die „Azubi & Studientage“ oder der Berufsbildungskongress, der alle drei Jahre in Nürnberg stattfindet, sind für die Schüler eine hervorragende Möglichkeit, an einem Ort konzentriert mit vielen verschiedenen Ausbildungsleitern von Firmen und – v. a. mit den Auszubildenden selbst – aus unterschiedlichen Berufsfeldern direkt in Kontakt zu kommen. Die Schüler können durch das persönliche Gespräch oft ihre Berufswünsche konkretisieren. Ferner sind Messen auch eine ideale Möglichkeit, eine Stelle für ein Betriebspraktikum zu erhalten.
Berufsinformationszentrum
Mit dem Besuch des Berufsinformationszentrums werden die Schüler der 9. Jahrgangsstufe erstmals mit dem Thema „Berufswahl“ näher konfrontiert. Der Besuch erfolgt meist im November oder Dezember. Nach einer Einführung durch den Berufsberater bzw. die Berufsberaterin zu der Frage, wie die Schüler ihre Berufswahl angehen sollen, erhalten die Schüler die Möglichkeit, am Computer z. B. einen Berufseignungstest durchzuführen, der ihnen mögliche Ausbildungsberufe vorschlägt, oder sich bereits ganz konkret über bestimmte Berufsbilder zu informieren.
Bewerbungstraining
Nachdem das Thema Bewerbung und Vorstellungsgespräch v. a. in den Fächern Wirtschaft und Recht sowie Deutsch behandelt wurde, kann bei einem Bewerbungstraining, für das meist ein Vormittag angesetzt wird, mit Ausbildungsleitern von Firmen z. B. ein Vorstellungsgespräch durchgeführt werden und damit die Praxisseite erprobt werden. Bei der anschließenden Besprechung mit einem Experten erfahren die Schüler, was gut gemacht wurde, aber auch, welche Fehler vermieden werden sollten. Dadurch erhalten die Schüler wertvolle Tipps und Anregungen für ihr eigenes Vorstellungsgespräch im „Ernstfall“. Es bietet sich u. a. die Möglichkeit, anhand der dafür von den Schülern angefertigten Bewerbungsmappen den Aufbau und Inhalt einer einwandfreien schriftlichen Bewerbung mit dem Ausbildungsleiter zu besprechen.
Ferner kann an einem solchen Vormittag beispielsweise ein Einstellungstest simuliert werden oder auch ein Assessment-Center durchgeführt werden.
Ziel eines Bewerbungstrainings ist es, dass die Schüler durch die Tipps von Fachleuten aus der Praxis „ihr“ Vorstellungsgespräch gut bewältigen können. Ferner soll den Schülern durch das Vorstellen und die Durchführung von verschiedenen Formen von Einstellungstests in der Schule ein wenig die Angst in der realen Situation genommen werden.
Expertengespräche im Unterricht
Wer ist „Experte“?
Im schulischen Sprachgebrauch werden Fachleute von außerhalb der Schule als so genannte „Experten“ bezeichnet. Dies kann der Berufsberater sein, ein Vertreter eines Kreditinstituts, ein Fachmann bzw. eine Fachfrau aus einem Unternehmen oder auch ein Elternteil, der in einem bestimmten Beruf tätig ist.
Expertenbefragung
Die Befragung eines Experten ist u. a. bei Betriebserkundungen ein wesentliches Element der Informationsbeschaffung (vgl. Ausführungen zur Betriebserkundung). Der Experte wird in diesem Fall also an seinem Arbeitsplatz aufgesucht. Von einer Expertenbefragung im eigentlichen Sinne spricht man dann, wenn man einen Experten in die Schule einlädt.
Die Befragung durch die Schüler erfolgt meist anhand vorbereiteter Fragen/Fragebögen, die eine wichtige Grundlage für die Nachbereitung dieses Themas im Unterricht bilden. Diese Fragen kann man dem Experten vor dem Gespräch zukommen lassen, so dass das Expertengespräch sehr Ziel führend geführt werden kann. Dadurch kann die Befragung zwar planmäßig ablaufen, eine Ausweitung oder vertiefte Diskussion ist dadurch aber oft nicht möglich.
Bei der sog. „unstrukturierten“ Befragung wird nur das Ziel der Befragung festgelegt. Die Einzelfragen bleiben offen, so dass damit eine vertiefende Diskussion ermöglicht wird, die zusätzliche Informationen liefert. Die Gefahr dieser Interviewform besteht darin, dass man das eigentliche Thema aus dem Auge verlieren könnte.
Funktion von Expertengesprächen
Welche Befragungsform eingesetzt wird hängt vom Wissen der Schüler, vom Inhalt und letztlich von dem Experten ab.
Expertengespräche sollen
- sachkundige Information aus erster Hand für die Lernenden liefern
- Schülern die Möglichkeit geben Fragen zu stellen; dadurch können sich die Schüler auch in ihrem Kommunikationsverhalten üben
- das Interesse der Schüler am Unterrichtsstoff erhöhen, da ein unmittelbarer Bezug zur Praxis gegeben ist
Möglichkeiten für Expertengespräche
Für Expertengespräche gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, z. B.:
- Bankvertreter zum Thema „Bankgeschäfte“, Kreditsicherheiten
- Bankvertreter zum Berufsbild „Bankkauffrau“
- Richter zum Themenbereich „Ehe- und Familienrecht“
- Polizist zum Themenbereich „Jugendstrafrecht“
- Steuerberater/Finanzbeamter zum Thema „Einkommensteuer“
- Ausbildungsleiter/-in eines Unternehmens zum Thema „Ausbildung im Betrieb“, „Ausbildungsvertrag“ usw.
- Personalchef(in) eines Unternehmens zum Thema „Einstellungstest“, „Bewerbungsgespräch“ usw.
„geva“-Test
Das „geva-Institut“ („Gesellschaft für Verhaltensanalyse und Evaluation“) führt Eignungstests zur Berufswahl durch, bei dem die Interessen, Begabungen, Schlüsselqualifikationen sowie das Leistungsprofil der Schüler getestet werden. Jeder Schüler erhält eine schriftliche Auswertung seiner Testergebnisse und auch Vorschläge für mögliche Ausbildungsberufe. Das Ergebnis wird in einem Einzelgespräch mit der Berufsberaterin besprochen. Der Test dauert insgesamt drei Stunden und ist kostenpflichtig.
„Girls’ Day“
Dieser Tag wird speziell für Mädchen organisiert, bei dem nur Mädchen in entsprechenden Betrieben und Forschungseinrichtungen in naturwissenschaftliche und technische Berufe „hineinschnuppern“ können. Die Mädchen sollen so neue Berufsideen sowie einen Einblick in die Welt der Technik erhalten, um motiviert zu werden, einen angeblichen „Männerberuf“ zu ergreifen, also im gewerblich-technischen Bereich eine Berufsausbildung zu machen.
„Mädchen für Technik-Camp“
Diese Veranstaltung, die ausschließlich für Mädchen organisiert wird, findet jeweils eine Woche in den Oster-, Sommer- und Pfingstferien in einem Unternehmen statt. Ziel dieses Camps ist es, das technische Interesse bei Mädchen zu wecken, um so ihr Berufsspektrum zu erweitern. Die Mädchen beschäftigen sich spielerisch mit altersgerechneten technischen Fragestellungen, wodurch das Vertrauen in ihre eigenen technischen Fähigkeiten gefördert wird. Bis zum Nachmittag arbeiten die Mädchen gemeinsam mit Ausbildern und Auszubildenden an ihrem technischen Projekt, danach erwartet die Mädchen ein betreutes Freizeitangebot, das dem ganzen den abenteuerlichen Campcharakter verleiht. Am Ende des Camps wird das Projekt nicht nur im Unternehmen präsentiert, sondern auch der Presse.
„Nacht der Berufe“
Diese Veranstaltung wird von der Agentur für Arbeit in München für die Schüler der 9. Jahrgangsstufe durchgeführt. Interessierte Schüler können sich dabei im Vorfeld für die Erkundung für einen aus einer Reihe von Betrieben (z. B. BMW, MAN, Stadtwerke, Klinikum, Hotel, Bayer. Rundfunk, Olympiapark GmbH ...) verbindlich anmelden. In diesem Jahr (2006) trafen sich die Freiwilligen an einem Freitagabend um 18:00 Uhr im Berufsinformationszentrum, von dem aus die Betriebstour mit Bussen startete und spätestens um 22:00 Uhr wieder endete.
Pädagogische Konferenz
Die Formulierung von Zeugnisbemerkungen ist immer wieder Anlass für Meinungsverschiedenheiten an der Schule. Gerade in der 9. und 10. Jahrgangsstufe muss das Zeugnis „wohlwollend“ formuliert sein, damit der Schüler nicht in seinem künftigen Fortkommen behindert wird. Man steht als Lehrer oft in dem Dilemma einerseits die Zeugnisbemerkung der Wahrheit gemäß zu schreiben und andererseits negatives Verhalten und Eigenschaften weitgehend zu verschweigen. Aus diesem Grund wäre es für die Lehrkräfte sehr wünschenswert und hilfreich, von Ausbildungsleitern zu erfahren, wie sie die Zeugnisbemerkungen „lesen“ und was ihnen bei einer Zeugnisbemerkung wichtig ist. Für diese Art von Expertengespräch eignet sich zum Beispiel eine pädagogische Konferenz.
Hier gibt's den Leitfaden zum Download

