Kompetenzen Kny
Expertentipp von Dr. Hans-Georg Kny,
Siemens Professional Education, München
Die Teamfähigkeit steht hier im Mittelpunkt. Im Berufsleben arbeiten wir sehr häufig in Projekten oder in kleinen Gruppen zusammen. Hier geht es dann darum, aus dem individuellen Fachwissen und den unterschiedlichen Erfahrungen der Teammitglieder eine optimale Lösung zu finden. Nicht die Leistung des Einzelnen wird hier anerkannt, sondern das Gesamtergebnis als Leistung aller. Einzelkämpfer müssen sich unbedingt in die Gruppe einfügen. Man trifft auf (un-) sympathische Menschen und auf Kolleginnen und Kollegen mit ganz unterschiedlichen Berufs- und Lebenserfahrungen. Hier ist dann nicht immer der "Kuschelkurs" angesagt, sondern das Projektziel steht im Vordergrund. Es geht also um das Ansprechen und Lösen von Problemen und Konflikten. Diese müssen gemeinsam ausgeräumt werden. Dazu gehört z. B. eine große Portion "Diskussionskultur", also die Fähigkeit, anderen zuzuhören sowie angemessene Kritik zu nehmen und zu geben. Diese Kritik muss immer sachlich bleiben und darf nie menschlich verletzend wirken.
Denk- und Lernstrategie
Sie haben lange die Schule besucht. Dort sollten Sie für Sie geeignete Denk- und Lernstrategien erworben haben. Denkstrategie: Aus welchen Blickwinkeln muss eine Aufgabe gelöst werden? Welche Faktoren spielen eine Rolle? Gibt es bereits ähnliche Lösungen, wenn ja, wo? Wo gibt es Denkhilfen? Können Sie Netzwerke nutzen? Sind Sie flexibel im Denken? Lernstrategie: Wie beschaffen Sie sich rasch die zutreffenden Informationen? Sind Sie es gewohnt, sich die Antworten mancher Fragen selbst zu suchen, können Sie also selbst organisiert lernen? Nutzen Sie dabei die neuen Technologien?
Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft
Diese Attribute dürfen in dieser Aufzählung nicht fehlen. Wir erwarten von Ihnen bereits in der Ausbildung ein gewisses Maß an selbstständigem Handeln. Natürlich beraten Sie die Ausbildungs-Coaches gerne und geben Ihnen wertvolle fachliche und überfachliche Hinweise. Nur: Den Sprung ins kalte Wasser, also mal ein Ding selber durchziehen, dieses Vorgehen muss von Ihnen ausgehen. Eng damit verbunden ist die Übernahme von Verantwortung. Darunter verstehe ich Ihre Bereitschaft, Aufgaben eigenverantwortlich zu übernehmen und zu lösen. Und auch, dass Sie zu Ihrem Arbeitsergebnis stehen, auch wenn es mal hart kritisiert wird. Verantwortung bedeutet hier, eigene Fehler einzugestehen und nicht mit Fingern auf andere deuten, die Sie vielleicht beeinflusst haben. Zugegeben, der Erfolg ist oft nicht gleich der gewünschte, aber auch ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen.
Motivierbarkeit und Belastbarkeit
Für die Zeit Ihrer Ausbildung bzw. während Ihres dualen Studiums (und auch danach) werden Sie für Ihren Einsatz bezahlt. Halten Sie sich bitte vor Augen, was ein Ausbildungsplatz ein Unternehmen kostet - rund 20.000 € bis 25.000 € pro Jahr. Hier sind die Kosten für das Lehrpersonal (schon mal was von Personalzusatzkosten gehört!) ebenso enthalten wie die Ausgaben für die Räumlichkeiten und die technische Infrastruktur (diverse, aktuelle Hard- und Software, technische Geräte und Maschinen …). Der ausbildende Betrieb investiert also eine Menge Geld in Sie. Dafür erwartet er zu Recht Ihre Gegenleistung, nämlich Ihre Motivation und Ihr Engagement. D. h. nicht pausenlos auf die Uhr schauen und nicht immer pünktlichst die Arbeit verlassen.
Machen wir es kurz:
Ihr künftiger Arbeitgeber möchte in Ihnen einen gebildeten und zuverlässigen Fachmann (natürlich auch eine Fachfrau!) sehen, auf den/die er sich verlassen kann und der/die ihn im Umgang mit Aufgaben und Gesprächspartnern nicht enttäuscht.
Mein Tipp:
Vieles ist erlernbar, auch die meisten Schlüsselqualifikationen. Versuchen Sie, in vielen Schulsituationen, aber auch in Ihrem Privatleben möglichst viele der genannten Eigenschaften zu trainieren.
Dr. Hans-Georg Kny
Siemens Professional Education
München


