Audi führt schon länger selbst Mentoring-Programme für Azubis durch. Warum das Ingolstädter Unternehmen dennoch mit vier Auszubildenden am sprungbrett AzubiMentoring teilgenommen hat und welchen Benefit der verantwortliche Ausbildungsleiter, Dr. Richard Wensauer, darin sieht, lesen Sie hier.
Vorteile
Welche Vorteile sehen Sie für Ihr Unternehmen in Bezug auf die Fachkräftesicherung durch die Teilnahme an diesem Programm?
Hier sehe ich 2 wesentliche Vorteile für unser Unternehmen:
- Zum einen können wir unseren sehr guten Auszubildenden als Mentoren die Möglichkeit geben sich weiterzuentwickeln. Das Programm unterstützt sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und bietet ihnen die Option sich über das fachliche hinaus zu qualifizieren und einzubringen. Nach unserer Beobachtung steigt die Motivation und das Verantwortungsbewusstsein und die Mentoren gehen charakterlich gestärkt mit einem größeren Maß an Selbstbewusstsein aus dem Programm heraus.
- Zum anderen gestalten wir uns durch die Teilnahme am Programm einen besseren Zugang für junge Menschen, die mit Migrationshintergrund eine Ausbildung in Deutschland und speziell in unserem Unternehmen beginnen möchten. Je mehr wir hinsichtlich Integration investieren, desto besser gelingt es uns die Auszubildenden gewinnbringend für Audi zu integrieren. Gerade in dieser Zielgruppe finden wir oft Bewerber mit einer weit überdurchschnittlichen Motivation und Leistungsfähigkeit. Diese kann sich aber erst entfalten, wenn wir anfängliche Hindernisse wie fehlende soziale Integration, Sprachbarrieren und sonstige Startschwierigkeiten aus dem Weg räumen. Genau hier setzt das Programm an und wir versprechen uns dadurch langfristig einen größeren Erfolg in der Zusammenarbeit mit der Zielgruppe.
- Last but not least schließt das Programm eine Lücke und zwar die Lücken die wir als verantwortliche Ausbilder oder Leiter nicht füllen können. Neben der häufig genannten Sprachbarriere existiert zweifellos auch eine Generationsbarriere. Können wir wirklich immer umfassend die Bedürfnisse unserer Jugendlichen in ihrem jeweiligen Alter verstehen? Ich denke, nein. Diese Lücke können unsere Mentoren schließen, indem Jugendliche andere Jugendliche unterstützen. An dieser Stelle entsteht echte Integration, es entwickeln sich Freundschaften, und im besten Fall erfolgt eine Integration, die über das Berufliche hinausgeht. Nur wenn die soziale Integration gelingt, können wir auch in der beruflichen bzw. unternehmerischen Integration erfolgreich sein. Diesen Part können unsere eigenen Auszubildenden als Mentoren weit besser gestalten als wir selbst.

"Nur wenn soziale Integration gelingt, können wir auch in der beruflichen bzw. unternehmerischen Integration erfolgreich sein. Hier schließt das AzubiMentoring eine Lücke, die wir als Ausbildungsverantwortliche nicht füllen können."Dr.-Ing. Richard Wensauer, Leiter Ausbildung Ingolstadt, Fertigungstechnik/Logistik, AUDI AG
Erfahrungen
Haben Sie zuvor schon versucht, ein Mentoring-Programm für Azubis aufzusetzen? Inwiefern hat das sprungbrett AzubiMentoring Ihnen die Implementierung eines solchen Programms erleichtert?
- Haben wir tatsächlich. Mentoring-Programme haben bei uns schon fast eine Tradition, beginnend von Tandems, die sich beim Lernen gegenseitig unterstützen bis hin zu ausbildungsjahrübergreifenden Patenfunktionen. Wichtig hierbei ist immer, dass Mentoring-Programme keine Einbahnstraße sind. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sowohl Mentoren wie auch Mentees ausnahmslos profitieren. Das AzubiMentoring ist nochmals ein weiterer Baustein der weniger die Leistung, sondern vor allem den sozialen Austausch und damit die soziale Integration fördert.
Nachhaltigkeit
Wie schätzen Sie die Nachhaltigkeit des Programms ein: Wie sieht die Umsetzung durch die Azubis jetzt, ein paar Wochen nach Abschluss der Schulungen, aus?
- Wir möchten unsere beiden Mentoren als Multiplikatoren für zukünftige Auszubildende nutzen. Sie sollen das erlernte Wissen an die nächsten Jahrgänge weitergeben, sodass wir eigeninitiativ weitere Tandems etablieren können. Aktuell fassen die Mentoren das Erlernte zusammen und wir warten gespannt auf den Leitfaden, der aus dem Projekt entstehen soll. Dieser soll als Basis für die zukünftige interne Qualifikation von Mentoren dienen. Es wäre besonders hilfreich, wenn unsere aktuellen Mentoren weiterhin mit den hervorragenden Unterrichtsmaterialien des Pilotprojekts arbeiten und diese an unsere spezifischen Bedürfnisse bei Audi anpassen könnten.
Tipps
Welchen Tipp können Sie Unternehmen mitgeben, die überlegen, ob sie auch am sprungbrett AzubiMentoring teilnehmen sollen?
- Ganz klar: Ausprobieren. Ich glaube, dass man in dem Thema gar nicht aktiv genug sein kann, sowohl aus sozialen wie auch aus unternehmerischen Gesichtspunkten. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind ein Potential, das wir als Gesellschaft erschließen müssen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
- Es ist erstaunlich, welche Dynamik entsteht, wenn man mit den richtigen Tandems ins Rennen geht. Sowohl Mentor als auch Mentee durchleben eine rasante Reise durch ihre Persönlichkeitsentwicklung, die jedem Unternehmen langfristig helfen kann.
Bildquellen
Headerbild: AUDI AG